WELT: SABMiller will zukünftiges Wachstum „aus eigener Kraft stemmen”
Nach Vorlage eines als enttäuschend gewerteten Jahresergebnisses 2009/2010, will SABMiller in Zukunft Wachstum aus eigener Kraft stemmen. Malcolm Wyman, der Finanzchef des Brauereigiganten, sagte am Donnerstag einer Finanzzeitung: „Die Geschwindigkeit unserer Zukäufe wird sich definitiv reduzieren.“ Es gebe immer weniger interessante Übernahmeziele, deswegen wolle SABMiller in Zukunft das Geschäft mit den eigenen Marken ausbauen. Besondere Bedeutung komme dabei dem Geschäft mit den internationalen Premiummarken Pilsner Urquell, Grolsch, Miller und Peroni zu. Doch auch bei den weniger bekannten regionalen Premiumbieren gebe es laut Wyman noch Wachstumspotenzial. SAB konnte seinen Gewinn im abgelaufenen Geschäftsjahr den Angaben zufolge zwar um fast ein Fünftel steigern, Analysten hatten jedoch mit einem besseren Ergebnis gerechnet.
Die strategische Abkehr von einer Wachstumsstrategie durch Zukäufe sei verständlich, so heißt es. Der Konzern sei geografisch besser aufgestellt als die Nummern drei und vier im Biermarkt, Heineken und Carlsberg. SABMiller erwirtschaftet rund 85% der Umsätze von zuletzt 26,3 Milliarden Dollar in Wachstumsmärkten wie Südamerika, Osteuropa, Südafrika und Asien. Doch dort seien Übernahmen inzwischen teuer. Im seit Jahren rückläufigen westeuropäischen Biermarkt sei SAB lediglich als Importeur eigener Biere wie Pilsner Urquell und als Produzent der italienischen Premiummarke Peroni aktiv.
Die gesamte Bierbranche hat seit den 90er-Jahren eine extreme Konsolidierungsphase durchlaufen. Auch SAB war durch etliche Zukäufe enorm gewachsen. Zwischen 1990 und 1998 stieg der Umsatz der SAB-Gruppe jährlich um durchschnittlich 17%. Im Jahr 1999 zog das Unternehmen von Johannesburg nach London, um auch international eine größere Rolle zu spielen. 2002 dann übernahm SAB den amerikanischen Brauer Miller Brewing und wurde damit zum Weltmarktführer SABMiller. Diesen Titel musste das in Südafrika beheimatete Unternehmen abgeben, als Ende 2008 Inbev für 52 Milliarden Dollar den amerikanischen Konkurrenten Anheuser-Busch übernahm und damit als Anheuser-Busch InBev größter Brauereikonzern der Welt wurde.
Doch anders als AB Inbev, der eine Marke wie Budweiser flächendeckend verbreitet, wolle sich SAB Miller auf regionale und nationale Marken konzentrieren. „Wir wollen der lokalste unter den globalen Brauern sein", so Nick Fell, SABs Marketingchef. Wenn dann ein Bier wie Peroni plötzlich in Großbritannien nachgefragt werde, freue man sich. „Aber wir haben ganz bestimmt nicht vor, etwa Miller Bier in Deutschland zu verkaufen."
Wyman schloss auch mögliche Übernahmen in Deutschland aus. „Wir sind dort mit Pilsner Urquell der größte Importeur von Premiumbier und wachsen anders als der Markt. Damit sind wir zufrieden," so der SAB Finanzchef. Darüber hinaus gebe es keine Übernahmepläne. „Bevor sich der deutsche Biermarkt konsolidiert, wird sich eher noch der französische Käsemarkt konsolidieren", so kommentierte Fell. 2003 soll SAB Miller mit einem Einstieg bei Warsteiner gescheitert sein.
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