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WELT: Hopfenmarkt bleibt genesungsbedürftig

Zahlen, die “den notwendigen und bereits eingeleiteten Schrumpfungsprozess in der Hopfenproduktion” verdeutlichen, lieferte die Barth-Haas-Gruppe am Montag anlässlich der Vorstellung ihres neuen Barth-Berichts Hopfen. 2010 wurde weltweit auf einer Anbaufläche von 52.000 Hektar Hopfen angebaut – im Vergleich zum Vorjahr ein Minus von mehr als 8%. 35% der Anbaufläche liegen in Deutschland, 24% in den USA.

2010 wurden weltweit knapp 100.000 Tonnen Hopfen geerntet – ein Rückgang um mehr als 12%. Deutschland produzierte 34% der Welthopfenmenge, die USA knapp 30%.

Auch die Alphaproduktion ging zurück – um mehr als 13% auf 9.475 Tonnen. An der Alphaproduktion hat Deutschland einen Anteil von 36%, die USA von 38%. Dennoch gibt es nach wie vor einen Überschuss, auch wenn der Überschuss aus dem Erntejahr 2009 mit 3.400 Tonnen Alphasäure in 2010 mit 1.800 Tonnen fast halbiert wurde. Die Überversorgung des Hochalphasegments ist nach wie vor die größte Herausforderung der Hopfenwirtschaft.

 

Deutschland und die USA – Weltmarktführer auf dem Hopfenmarkt

An diesen Zahlen wird auch deutlich, dass die USA und Deutschland die in jeder Beziehung weltweit führenden Hopfen-Anbaunationen sind. Fast zwei Drittel der Hopfenproduktion und rund drei Viertel der Alpha-Produktion kommen aus diesen beiden Ländern. Hinzu kommt: In Deutschland und in den USA erzielen die Pflanzer pro Hektar Anbaufläche höhere Ernteerträge. In beiden Ländern werden im Vergleich zu den übrigen Anbaugebieten höhere Anteile der Ernte über Vorkontrakte verkauft. Diese Vorkontrakte geben Produzenten, Vermarktern und Brauern Planungssicherheit.

 

Hopfenwirtschaft reagiert flexibel auf Marktveränderungen

Waren die Braujahre 2004 bis 2008 eher durch ein Defizit an Hopfen- Alphasäuren gekennzeichnet, so verzeichneten wir in den letzten drei Jahren einen deutlichen Überschuss. Zur Erinnerung: Nach jahrelanger Überproduktion ging die Anbaufläche bis 2006 so weit zurück, dass die Erntemenge nicht mehr der Nachfrage der Brauwirtschaft entsprach. Als Konsequenz schloss die Brauwirtschaft immer mehr Vorkontrakte ab. Die Folge war eine sehr schnelle und umfangreiche Flächenausweitung, um die benötigten Mengen zu sichern. Der „alte“, jahrelang vernachlässigte Vorkontrakt erlebte eine Renaissance, zu Preisen auf hohem Niveau. Diese Entwicklung fand vorwiegend in den USA und in Deutschland statt. Nachdem sich die strukturelle Unterversorgung des Marktes in Rekordzeit ins Gegenteil verkehrte, ging es darum, die Hopfenanbaufläche wieder bis zum Marktausgleich zu reduzieren. Dies ist deshalb so schwierig, weil die meisten Hopfen von den Pflanzern für viele Jahre im Voraus durch Kontrakte verkauft sind. Hier sind vor allem die Hopfenvermarktungsfirmen gefordert. Durch große Anstrengungen ist es bislang gelungen, mittels Restrukturierung der Vorkontrakte, den Nachschub der Waren einigermaßen dem Bedarf anzupassen. Als Resultat quellen die Lagerhäuser über und die Liquidität der Unternehmen ist stark beansprucht.

 

Trotz allgemeiner Überproduktion unterschiedlicher Marktverlauf innerhalb der Sortengruppen

Betrachten wir den Freimarkt hinsichtlich der einzelnen Sortengruppen, so zeigen sich hier unterschiedliche Entwicklungen: Bei den Hochalphasorten gab es kaum einen Freimarkt. Wenn Hopfen verkauft wurde, dann meist zu Preisen unter Produktionskosten. Besonders in Osteuropa und China blieben hohe Bestände unverkauft in den Lägern. Die überwiegend amerikanischen und deutschen Aromasorten wurden auf dem Freimarkt platziert, wenn auch eher auf mittlerem bis niedrigem Preisniveau.

Erfreulich ist die Entwicklung bei den sogenannten „Flavor Hops“, einer neuen Kategorie, die weder in die klassische Gruppe der Alpha- noch in die der Aromahopfen einzuordnen ist. Diese neue Kategorie besteht aus Hopfensorten mit starken Geschmacksnoten, die Bieren eine ungewöhnliche Differenzierbarkeit im Geschmack verleihen. Vor allem die amerikanische Craft Brewer Szene, aber auch Kleinbrauereien in anderen Ländern fragen danach. Wir halten diese Marktnische für interessant und zukunftsträchtig.

 

Die Rodungen gehen weiter – die Versorgung scheint jedoch gesichert

Die Bemühungen der Hopfenwirtschaft, einen Ausgleich zwischen Angebot und Nachfrage zu erreichen, zeigen Wirkung. Im Jahr 2011 stehen weltweit ca. 49.000 ha für den Hopfenanbau zur Verfügung. Gegenüber 2010 sind das rund 3.000 ha weniger. Damit liegt die Anbaufläche unter der des Jahres 2006. Damals war ein Tiefststand von etwas weniger als 49.500 ha erreicht. Eine Ernte mit durchschnittlichen Erträgen wird dennoch ausreichen, um den Alphasäurenbedarf zu decken. Der in der Vergangenheit forcierte Anbau von Hopfensorten mit hohen Erträgen und überwiegend hohen Alphasäurewerten macht dies möglich.

Allerdings kennt niemand die Wetterbedingungen bis zum Einbringen der Ernte. Außerdem gibt es immer auch die Gefahr schädlings- oder krankheitsbedingter Minderernten. Das heißt: Hopfen ist ein Naturprodukt – ein Restrisiko bleibt.

(Quelle: Barth-Haas-Gruppe)


 


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