TSCHECHIEN: 2010 für Brauereien das schlechteste Jahr seit 1989
Die tschechischen Brauereien hatten 2010 das schlechteste Jahr seit der Samtenen Revolution von 1989 zu verzeichnen, wie Jan Veselý, der Chef des Tschechischen Brauerei- und Mälzerverbandes der Presse sagte. Im vergangenen Jahr ist nach seinen Angaben die Bierproduktion im Land im Vergleich zu 2009 um 12% gesunken. Nach jahrelangem Wachstum hatte der tschechische Biermarkt 2009 erstmals eine Flaute erlebt und die tschechischen Brauereien mussten bereits ein Minus von 6,5% hinnehmen. „Eine so schlechte Entwicklung haben wir tatsächlich in der modernen Geschichte noch nicht erlebt“, so Veselý.
Gründe für den Einbruch nennt der Verbandschef gleich mehrere:
EXPORT
Nach Einschätzung des Verbandes ging der gesamte tschechische Bierexport im Jahr 2010 um 12% zurück. Betroffen hier besonders die EU, vor allem in die Nachbarländer. Bereits 2009 sank der Export um 10%.
Trotz allem konnten einige tschechische Marken gute Exportergebnisse vorlegen: Budweiser Budvar beispielsweise vermeldete 2010 den Export-Rekord in seiner 115-jährigen Geschichte. Die Brauerei führte 604.791 Hektoliter Bier in 58 Länder der ganzen Welt aus und lag somit 4,3% über dem Vorjahresergebnis. „Für unseren größten Erfolg halten wir die Absatzsteigerung in Deutschland, das unser wichtigster Exportmarkt ist. Wir erzielten dort den historisch höchsten Absatz von 214.408 Hektoliter, der um 4,7% über dem Vorjahresergebnis liegt,“ so Renata Pánková, Exportleiterin der Brauerei Budweiser Budvar.
TOURISMUS
Auch der Rückgang im Tourismus sei, wie bereits 2009, ein Grund für den geringeren Bierdurst im Land gewesen.
INLANDSABSATZ
Die Tschechen selbst, seit langem an der Welt-Spitze des Pro-Kopf-Verbrauchs beim Bier, haben laut Veselý im vergangenen Jahr weniger tschechisches Bier konsumiert. Diese Tatsache führt er zum einen immer noch auf die Wirtschaftskrise 2009 zurück, zum anderen sei die Verbrauchssteuer für Bier, die zum Jahresbeginn 2010 um ein Drittel erhöht wurde, Schuld am Rückgang der Bierproduktion im Land. Jede Flasche Bier sei mit der Steuererhöhung rund eine Krone teurer geworden, „was unserem Absatz den Todesstoß versetzt hat“, wie Veselý es ausdrückte.
BILLIGIMPORTE
Ein Dorn im Auge ist dem Tschechischen Brauerei- und Mälzerverband der steigende Import von Billig-Bier aus Polen. Wobei es sich hierbei, wie Veselý bissig meint, „im Grunde nicht um Bier, sondern um ein bierähnliches Getränk handelt“, dessen Qualität zu wünschen übrig lässt.
PREISE
Was 2011 betrifft, findet der Verbandschef es wichtig für die tschechischen Brauereien, die Preise stabil zu halten. Doch er meint: „Wenn es absolut nicht anders gehen sollte, dann wird die Preissteigerung so gering wie möglich ausfallen.“
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