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SCHWERIN: Oettinger Brauerei schließt Braustätte in Schwerin

Ab April soll in der Schweriner Schlossbrauerei kein Bier mehr gebraut werden. Die Oettinger Brauerei schließt damit die kleinste ihrer 5 Braustätten in Deutschland und verlagert die Bierproduktion in die 200 Kilometer weiter südlich gelegene Brauerei nach Braunschweig. Schwerin soll künftig nur noch als Logistik-Zentrum für die Gruppe dienen. Weiterhin existiert die Idee, bei entsprechender Nachfrage in Schwerin auch noch Handelsmarken und Fremdprodukte für Auftraggeber zu produzieren. Bisher wurden in Schwerin neben den Oettinger-Marken auch die regionalen Biere Petermännchen, Schweriner Pils, Export und Bock und Mecklenburger Landbier gebraut.


30 Mitarbeiter der insgesamt 50 Mitarbeiter, überwiegend in der Logistik, werden in der Hauptstadt von Mecklenburg-Vorpommern ihre Arbeit behalten können, 20 müssen gehen. Es wurde bereits ein Sozialplan erstellt, der sowohl individuelle Vorruhestandsregelungen als auch die Versetzung an andere Standorte der Gruppe vorsieht. Oettinger beschäftigt in Braunschweig bereits 150 Mitarbeiter.

Mit diesem in der Branche bereits erwarteten Schritt setzt Oettinger die Strategie einer kostenoptimierten Produktion in wenigen großen Braustätten fort. Bereits in den Jahren 2008/2009 hatte Oettinger zwei kleinere brandenburgische Brauereien in Dessow und Pritzwalk geschlossen. Damals hieß es noch, man wolle stattdessen den Standort Schwerin auf eine Million Hektoliter ausbauen. Zeitgleich mit der Schließung der zwei kleineren Brauereien wurden auch rund 16 Millionen Euro in die Schweriner Schlossbrauerei investiert, um die Kapazitäten von 500.000 auf 650.000 Hektoliter Bier zu erweitern. Neben einer neuen Abfüllanlage wurden seinerzeit ein zusätzliches Vollgutlager und ein Brunnen gebaut und in Gär- und Lagertanks, Malzsilos, einen Fuhrpark sowie Fördertechnik investiert.

Die geplante weitere Investition fand dann aber nicht mehr in Schwerin sondern in Braunschweig statt. Als die dänische Carlsberg-Gruppe die im Jahr 2004 beim Kauf der Holsten-Gruppe ebenfalls übernommene Feldschlösschen Brauerei in Braunschweig zum Verkauf anbot, griff Oettinger zu. Zum 1. August 2009 erwarb Oettinger die Braustätte in Braunschweig, was eine weitere Erweiterung in Schwerin zunächst überflüssig machte.

Aber auch in der Folgezeit erwies sich die vorhandene Braukapazität für Oettinger als ausreichend. Da der bayerische Preiswertbier-Spezialist in den letzten Jahren zunehmend den Atem der Mitbewerber im Nacken verspürte und der Ausstoß nicht mehr wie geplant wuchs, musste Oettinger im November letzten Jahres erstmals zehn Mitarbeiter in ihrem Stammbetrieb in Oettingen entlassen. Dass nun auch die Produktion in Schwerin eingestellt werden muss, ist zwar bedauerlich, aber aus Sicht des Unternehmens zur Fortführung der Strategie einer Kostenführerschaft verständlich.

Im Juni 1997 hatte Oettinger die Schweriner Brauerei mit damals 36 Mitarbeitern übernommen. Im Jahr 2009 arbeiteten bereits 94 Beschäftigte in der Schlossbrauerei. Der Bierausstoß hatte sich von 210.000 Hektolitern im Jahr 1998 auf rund 500.000 Hektoliter im Jahr 2009 mehr als verdoppelt.

Die Oettinger Brauerei-Gruppe ist mit ihrer Strategie einer Kostenführerschaft in der Lage, den Konsumenten dauerhaft sehr preiswerte Biere, Biermischgetränke und alkoholfreie Getränke anzubieten. Durch die geographisch gut platzierten 4 Brauereien in Deutschland (Oettingen, Gotha, Mönchengladbach, Braunschweig) kann Oettinger mit eigenem Fuhrpark kostengünstig liefern. Auf teure Werbung, Sponsoring und aufwändige Aufmachung der Flaschen wurde bislang verzichtet.

Allerdings scheint dieses Dogma auf dem Prüfstand zu stehen: Marketing-Chefin Pia Kollmar konnte sich bereits Ende des letzen Jahres „eine intensivere Förderung der vielen Oettinger-Bier-Fans vorstellen, die sich auch im Internet präsentieren“. Da die Philosophie Oettingers lautet: „ Wir verzichten auf aufwändige und teure Werbung in den Medien, weil wir der Überzeugung sind, dass ein Produkt mit einem hervorragenden Preis-/ Leistungsverhältnis für sich selbst wirbt.“, wird es aber nach wie vor keine klassische Werbung im Fernsehen, auf Plakat oder in Zeitschriften geben.


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