SCHWELM: Insolvente Schwelmer Brauerei investiert in neue Wasseraufbereitungsanlage
In der Schwelmer Brauerei, die seit September 2009 in einem Insolvenzverfahren steckt, wurde am Mittwoch offiziell eine neue Wasseraufbereitungsanlage in Betrieb genommen. Rund 100.000 Euro seien dafür investiert worden, heißt es. Ab sofort brauen die Schwelmer ihr Bier damit auch wieder mit eigenem Brunnenwasser. Dies war früher schon einmal der Fall, laut Verkaufsleiter Stefan Jukic sei man aber aus ihm “unbekannten Gründen” irgendwann auf Trinkwasser umgestiegen. Für die Schwelmer Brauerei sei es nun ein Markenzeichen, dass ihr Bier “mit eigenem Wasser” gebraut wird. Durch die neue Anlage und die Nutzung des eigenen Wassers spare man jährlich über 40.000 Euro. Die Geschäfte der insolventen Brauerei liefen mittlerweile wieder so gut, dass man zuversichtlich sei, dass bald ein neuer Investor gefunden werden könne, so Vertriebschef Jukic, der sich seit dem unerfreulichen Niedergang der Brauerei offensichtlich erfolgreich um den Absatz der Biere und um eine Neuorientierung des Unternehmens kümmert.
Über die Schwelmer Brauerei
Die Brauerei C & A Veltins, die 1999 die Brauerei Schwelm kaufte, kündigte kurz darauf bereits deren Schließung an. Doch die Stilllegungspläne der Sauerländer Brauerei lösten eine überwältigende Woge der Anhänglichkeit zum “Heimatbier” aus und das Schwelmer Ehepaar Heidrun und Dr. Rolf Lohbeck ergriffen “in letzter Minute die Gelegenheit” und innerhalb weniger Tage wurde der Kauf der Brauerei besiegelt um die Existenz des mittelständischen Betriebes mit seinen Arbeitsplätzen zu “sichern”.
Die Familie Dr. Lohbeck investierte zunächst nach eigenen Angaben rund 5 Millionen Euro in eine neue Lagerhalle und in moderne Abfülltechnik. Auf die Wirtschaftkrise reagierte der geschäftsführende Gesellschafter Dr. Lohbeck “mit großer Zuversicht für die Zukunft der Biermanufaktur” und tätigte erneut eine Investition in Höhe von 2 Millionen Euro:
Es gab eine neue Fassbierabfüllanlage, die alten und bereits stark abgenutzten Fässer wichen den neuen „roten Fässern“, 6 Gär- und Lagertanks mit einem Fassungsvermögen von je 750 hl wurden an die Brauerei angebaut, 6 Edelstahl-Drucktanks ersetzten die veralteten eisenmelierten Drucktanks.
Der Absatz der Brauerei sank in den Jahren 2008 und 2009 deutlich (2008: minus 18 Prozent, 2009: minus 15 Prozent). Trotz der getätigten Investitionen und längerer Arbeitszeiten der Beschäftigten ohne Lohnausgleich schrieb das Unternehmen im Jahr 2009 hochrote Zahlen. Aus diesem Grund wurde am 16. September 2009 ein Insolvenzantrag gestellt. Als Rolf Lohbeck die Insolvenz anmelden musste, gab er an, insgesamt mehr als 14 Millionen Euro in die Schwelmer Brauerei gesteckt zu haben, “um zu investieren und rote Zahlen auszugleichen”, doch “irgendwann sei Schluss”.
Im August 2010 informierte der Insolvenzverwalter der Brauerei Gottschalk deren Gläubiger über “eine ausgesprochen positive Geschäftsentwicklung seit Eröffnung des Insolvenzverfahrens.” Auch habe sich die Grundstückssituation entspannt, da die Betriebsimmobilie den Eigentümer gewechselt habe. Neuer Eigentümer wurde Burkhard Pass, Inhaber der Schwelmer Gummiwerke, der das Bestreben, die Brauerei an ihrem Traditions-Standort weiterzuführen, unterstütze, sagte Gottschalk damals. Mit ihm sei eine Weiterproduktion am alten Standort für die nächsten 10 bis 15 Jahre möglich, war sich Vertriebsleiter Stefan Jukic sicher. Auch dadurch hätten sich die Rahmenbedingungen für einen Investor für den Brauereibetrieb deutlich verbessert. Für eine kurzfristige Verlagerung der Brauerei an den Stadtrand habe ohnehin kaum ein Finanzier gefunden werden können.
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