RUSSLAND/UKRAINE: Getreidemarkt: Unsicherheit über “Exportfähigkeit” der Schwarzmeerregion 2011/12
Viele große Fragezeichen für den Welt- und europäischen Getreidemarkt bleiben nach wie vor hinter der “Exportfähigkeit” der Schwarzmeerregion in der kommenden Saison 2011/12. Russland und die Ukraine hinken wegen des lang anhaltenden Winters bei der Frühjahrsaussaat deutlich nach. Bis 01.04. haben die russischen Landwirte nach Angaben des Statistikamtes Rosstat erst 87.900 ha mit Frühjahrssaaten bestellt und liegen damit um 57,7% hinter dem Vorjahres-Vergleichswert. Dennoch will Russland zum Ausgleich für die wetterbedingt kleiner ausgefallene Herbstaussaat die Fläche der Frühjahrssaaten heuer gegenüber 2010 von 28 Mio. ha auf 31 Mio. ha ausweiten. Beim Rübenanbau liege man laut dem Branchenverband per 18.04. mit 194.700 ha um 184.000 ha oder um fast die Hälfte hinter dem Vorjahr.
So zerstreute kürzlich der Direktor des russischen Agrarforschungs- und Consulting-Instituts SovEcon, Andrey Sizov, Gerüchte, Russland könne seinen vorigen August nach einer Missernte von 63 Mio. t mit Ausfällen von einem Drittel im Jahresvergleich verhängten Exportstopp für Getreide noch vor dem Sommer wieder aufheben.
SovEcon sieht die Hoffnung der russischen Regierung auf eine Ernte 2011 von bis zu 90 Mio. t nicht erfüllbar und setzt die eigene Prognose bei lediglich 75 bis 80 Mio. t und damit mit einem Exportpotenzial von nur 5 bis 10 Mio. t über dem Eigenverbrauch Russlands von 70 Mio. t an. Damit werde die Ernte nicht groß genug ausfallen, um den Exportbann schon vor dem russischen Sommer aufheben zu können. “Obwohl wir einer größeren Ernte entgegensehen, hilft dies Russland nicht, seinen Bann aufzuheben, denn es ist ja auch nur eine durchschnittliche Ernte”, so Sizov. “Und selbst wenn Russland den Bann aufhebt, ist es keine Frage von Exportverbot oder nicht. Denn die Regierung könnte danach einfach Quoten ins Spiel bringen.”
Die russischen Getreidepreise gingen zuletzt wegen geringerer Verfütterung und zunehmender Spekulation darüber zurück, es könnten mehr Vorräte vorhanden sein als bisher angenommen. Der Branchen-Lobbyverband der Russischen Getreideunion sprach zuletzt von bis zu 8 Mio. t mehr Getreidevorräten, die bei Produzenten gehortet würden oder unverkauft in Silos im Landessüden herumlägen.
Die ukrainische Regierung schlug indessen am Montag dem Parlament die Ablöse der im vorigen Oktober verhängten Quotierung der Getreideexporte durch Exportzölle vor. Das Parlament in Kiew sollte das Dossier schon am Mittwoch der Karwoche behandeln. Die Exportabgaben sollen demnach vorerst bis 01.01.2012 befristet sein und für Weizen 9%, aber mindestens EUR 17,- pro t, für Gerste 14% und mindestens EUR 23,- pro t sowie für Mais 12%, mindestens aber EUR 20,- pro t, betragen. Exportzölle werden vom Handel eher akzeptiert als die als protektionistisch und in der Vergabe als intransparent kritisierten Quoten. Die Ukraine verbraucht selbst 26 Mio. t Getreide und hofft 2011 auf eine Ernte von 44 bis 45 Mio. t Getreide und ein Exportpotenzial von gut 23 Mio. t. Die Exportquoten nach der Missernte 2010 beschnitten die Ausfuhren in den ersten neun Monaten des Wirtschaftsjahres 2010/11 scharf – von 18,7 Mio. t im Vergleichszeitraum 2009/10 – auf 8,1 Mio. t. Allerdings hat die Ukraine auch heuer Probleme mit dem Frühjahrsanbau: Bis 15.04. waren erst 2,8 Mio. ha bestellt – um 600.000 ha weniger als zum gleichen Datum des Vorjahres.
(Quelle: österreichisches Lebensministerium)
« Back


