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PRITZWALK: Brauhaus Preußen Pils wird in Westafrika wieder neu aufgebaut

Im brandenburgischen Pritzwalk erfolgt in diesen Tagen ein fast schon symbolisch zu nennender Akt, der den Zustand der Brauereien in Deutschland oder sogar ganz Westeuropa kennzeichnet: Die Brauerei in Pritzwalk, die erst 1995 gebaut wurde, wird komplett demontiert und in Westafrika wieder aufgebaut. Damit geht eine lange Brautradition zu Ende:

1795 gegründet war die Pritzwalker Brauerei nach dem ersten Weltkrieg die größte Privatbrauerei in Brandenburg.  Nach den Wirren des 2. Weltkriegs und einer wechselvollen Geschichte im Getränkekombinat Potsdam in der DDR erblühte die Brauerei als Brauhaus Preußen Pils nach der Wende zu neuem Glanz und erhielt im Jahre 1995 sogar eine neue Braustätte. Die Marke hatte es aber schwer, sich gegen die starke Konkurrenz aus dem benachbarten Berlin und den übermächtigen Fernsehbiermarken zu behaupten. Die 50.000 Hektoliter starke Brauerei rutschte daher in die Insolvenz und wurde  im Jahr 2006 von der bayerischen Brauereigruppe Oettinger übernommen, die für ihre damals stark expandierende Marke im Preiseinstiegssegment zusätzliche Kapazitäten suchte.  Zusammen mit der rund 50 km entfernten Brauerei in Dessow betrieb Oettinger die beiden Brauereien im Verbund. Das Bier wurde in Pritzwalk gebraut und mit Tankwagen nach Dessow gefahren, wo es abgefüllt wurde. Auf lange Sicht war diese Betriebsweise aber nicht wirtschaftlich, so dass beide Brauereien im Jahr 2009 geschlossen wurden. Zudem kaufte Oettinger im gleichen Jahr die Braustätte der Brauerei Feldschlösschen in Braunschweig. Seither wurde ein Käufer für die noch relativ moderne aber nicht mehr benötigte Brauanlage in Pritzwalk gesucht. Dieser wurde schließlich in Westafrika gefunden.

Die vor zwei Wochen begonnene Demontage soll bereits Ende März abgeschlossen sein. Dann endet endgültig eine lange Brauereigeschichte in Brandenburg aber es beginnt eine neue in Westafrika. Der schwarze Kontinent hat sich neben Asien und Lateinamerika in den letzten Jahren zunehmend als Wachstumsmotor in der Braubranche erwiesen. Selbst die Wirtschaftkrise konnte dem Wachstum des Bierkonsums in Afrika wenig antun. Neben einer stark wachsenden und jungen Bevölkerung ist es vornehmlich das erstarkende Pro-Kopf-Einkommen, das immer mehr Afrikaner zu einem kühlen und wohlschmeckenden Bier greifen lässt. Und wenn dann die Anlagen und das technische Know-how auch noch aus Deutschland kommen, kann wohl kaum mehr etwas schief gehen.

Wie es mit dem Brauereigelände in Pritzwalk weitergeht, ist dagegen noch nicht sicher. Neben Ideen, das alte Sudhaus für öffentliche Zwecke durch das Pritzwalker Stadt- und Brauereimuseum zu nutzen, ist auch im Gespräch, wieder eine Schaubrauerei in kleinem Rahmen zu errichten. Allerdings fehlen hierzu noch die Investoren.


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