ERFURT/BRAUNSCHWEIG: Braugold verlagert Produktion nach Braunschweig
Die Thüringer Traditionsbrauerei Braugold wird ihre Produktion in Erfurt einstellen und ihr Bier künftig in Braunschweig brauen lassen. Bereits seit einigen Monaten wurde das in Erfurt gebraute Bier zum Abfüllen ins sächsische Hartmannsdorf gebracht. Betroffen von der Produktionsverlagerung sind zehn Brauer, für die in den kommenden sieben Monaten „eine Lösung gefunden werden soll“. Teilweise sollen die Mitarbeiter in Rente gehen, teilweise könnten sie bei Waldhoff in Thörey oder in der Oettinger-Brauerei in Gotha unterkommen, heißt es.
Die jüngste Bilanz, die zeige, dass sich das Geschäft beim anhaltenden Rückgang des Bierkonsums allein mit den bisherigen Maßnahmen nicht stabilisieren lasse, habe diesen Schritt jetzt nötig gemacht. 2009 hatte die Traditionsbrauerei nur noch 90.000 Hektoliter Bier absetzen können. Tendenz weiter fallend. Es gab Zeiten, da lag die Braugold -Jahresproduktion bei rund 250.000 Hektolitern Bier.
Nun sei auch noch das Kühlhaus der Brauerei in Erfurt defekt, heißt es. Zusammen mit den Kosten für eine Reparatur der kaputten Abfüllanlage sei damit ein Investitionsbetrag von rund 2,1 Millionen Euro aufgelaufen, den die Brauerei nicht aufbringen könne. Dieser Investitionsstau und die, inzwischen behobenen, Qualitätsprobleme bis vor zwei Jahren, die dem Ruf der Braugold Biere erheblich schadeten, zeigen nun die Folgen. Hinzu kommt außerdem noch, dass die Kosten für die Fernwärme in dem „energetisch katastrophalen alten Brauhaus“ zu sehr gestiegen seien. „Kurz, es rechnet sich alles nicht mehr”, so bringt Thorsten Petring von der Geschäftsleitung, dem die Umstrukturierung in der Waldhoff-Geschäftsführung in die Hand gelegt wurde, die Lage der Brauerei auf den Punkt.
Der bisherige Geschäftsführer der Brauerei, Lars Schütze, ist bereits seit Oktober freigestellt.
Die Zukunft des Braugold-Geländes in Erfurt ist derzeit noch ungewiss. Der Getränkegroßhändler Olaf Waldhoff aus Thörey, dem die Brauerei gehört, habe seit mehreren Monaten darüber nachgedacht, wie man die alte Brauerei weiternutzen könnte. Man denke daran, eine Brauerei-Gaststätte mit einem Veranstaltungsraum und einem Brauereimuseum zu etablieren. Eine endgültige Lösung soll das jedoch nicht sein, lediglich eine Zwischenlösung, wie Petring betont.
Der genaue Zeitplan für die künftigen Maßnahmen steht wohl noch nicht fest. Er hänge von den verschiedensten Faktoren ab, bei denen es vornehmlich um Kostenersparnis gehe.
Die Braugold Brauerei besteht seit 1888 am heutigen Standort in Erfurt. Nach der Wende und dem damit verbundenen Ende des Getränkekombinats wurde die Brauerei Braugold 1990 zunächst von der Licher Privatbrauerei übernommen. 1996 erfolgte schließlich die Übernahme durch die Nachfolger des früheren Eigentümers, der Riebeck-Gruppe, zu der zu diesem Zeitpunkt auch die Brauerei in Eisenach sowie die Wernesgrüner Brauerei gehörten. 2006 hatte Großverleger Olaf Waldhoff die Braugold-Brauerei übernommen.
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