Globalmalt

ENGLAND: Nessel-Bier aus Cornwall ist kein Bier

Ein Nessel-Bier, das kein Malz enthält, ist kein Bier und muss daher anders besteuert werden, als normales Bier. Dies besagen EU-Richtlinien, die Besitzer einer kleinen Brauerei in Cornwall im Südwesten Englands die Zornesröte ins Gesicht treiben. Die Hersteller, Miles Lavers und seine Partnerin Alice Rollinson, stellen seit rund zwei Jahren das Gebräu her, das ausschließlich aus Nesselextrakten, Wasser und Zucker vergoren wird. Cornish Stingers, wie das Produkt heißt, wird in 0,5 l Flaschen oder im Fass angeboten und erfreut sich wachsender Beliebtheit. Nun soll die Familie knapp 10.000 britische Pfund Steuern nachzahlen, da das Produkt fälschlicherweise als Bier deklariert wurde und daher von niedrigeren Steuersätzen profitierte.

Ein Sprecher der britischen Steuerbehörde HMRC verteidigte die Entscheidung mit den EU-Regelungen zur Besteuerung alkoholischer Getränke: „Um als Bier klassifiziert zu werden und als Bier besteuert zu werden, muss ein Produkt aus Malz hergestellt werden. Alkoholische Produkte, die nicht als Bier, Wein von frischen Weintrauben, Branntwein, Apfel- oder Birnenwein eingestuft werden können, werden mit dem Steuersatz für „weinähnliche Getränke“ („made wine“) beaufschlagt.“

Die Hersteller von Cornish Stingers können ihre Wut auf die angebliche Regulierungswut der Europäischen Union nicht verbergen und finden Beistand bei ihrem örtlichen Parlamentsabgeordneten George Eustice: „Nur die EU hat behaupten können, dass Nessel-Bier kein Bier ist. Das ist ein Jahrhunderte altes Rezept. Wir sollten neue Unternehmen ermutigen und nicht ihre Lagerbestände auf der Basis verrückter EU-Regulierungen beschlagnahmen.“

Hugh Fearnley-Whittingstall, ein britischer Journalist, der als exzentrischer Koch in der Fernsehserie „Cook on the Wild Side“ berühmt wurde, hat den Boom der Nessel-Biere ausgelöst und produziert mit seiner Firma River Cottage bereits seit Sommer 2007 in der Brauerei Hall & Woodhouse sein Stinger Ale. Zutaten sind Nesseln, die auf der Farm des Journalisten in Dorset angebaut werden, und Malz. Daher profitiert er von verminderten Steuersätzen.

Miles Lavers will aber von einer Änderung seiner Rezeptur und der Zugabe von Malz nichts wissen: „Es macht das Bier braun und die Leute, speziell Frauen, lieben dass das Produkt klar und frisch ist“.


« Back