BERLIN: Brew Dog will deutschen Biermarkt aufmischen und lässt Beck’s-Flaschen zertrümmern
Die schottische Punk-Brauerei Brew Dog, hierzulande vor allem bekannt durch ihren Wettstreit um das stärkste Bier der Welt mit „Sink the Bismark“ gegen den fränkischen „Schorschbock“, will jetzt auch den deutschen Biermarkt aufmischen. „Wir leisten Widerstand gegen geschmacklose Biermarken“, sagte James Watt, Braumeister und Gründer der schottischen Brauerei, bei einer Art Pressekonferenz anlässlich der Einführung der Marke im Berliner Club Comet. Er meint, die Tatsache, dass die Deutschen immer weniger Bier trinken liege nicht an der demografischen Entwicklung, sondern allein daran, dass das Bier immer „gleich langweilig“ schmecke. Und das will er ändern und fängt damit in Berlin an, wo Brew Dog dem Titel Punk-Brauerei alle Ehre machte und im Comet Club die Gäste auf einer provisorisch eingerichteten Bowlingbahn mit Eisenkugeln kegeln ließ – auf Beck’s-Flaschen.
Dazu zeigten Plakate an den Wänden des Clubs Fotos einer großen Brew Dog Flasche auf einem Glasscherbenhaufen.
Der Brew Dog Gründer sagte, was den Erfolg der Brew Dog Biere ausmacht sei – und das ist so ziemlich das einzige, worin er sich nicht von den Aussagen deutscher Brauer unterscheidet – der Geschmack. Doch Reinheitsgebote interessieren dabei nicht. Im „5 a.m. Saint“, ist neben sieben Hopfen- und fünf Malzsorten auch Litschi. Nix für deutsche Brauer – aber für deutsche Biertrinker, die gelangweilt sind vom angeblichen deutschen Einheitsgebräu, wie Brew Dog glaubt. Tatsächlich sollen die Brew-Dog-Biere mit Namen wie „77 Lager“, „Tactical Nuclear Penguin“, und „Trashy Blonde“ (You know you shouldn’t), intensiver schmecken, als vieles, was man hierzulande trinkt. „Wie ein weicher Teppich breiten sich die Fruchtaromen auf der Zunge aus“, so ein Gast der die Biere probiert hat.
Sein Bier lieben, das tut Watt offensichtlich. Bei der Pressekonferenz, die übrigens erst nach Mitternacht begann, fragte er die Flasche in seiner Hand: „Wie geht es dir heute, Bier?“ Zudem präsentierte er sich als Bier-Sommelier, verglich seine Brauerei mit einem Spitzenrestaurant und erklärte seinen potentiellen Kunden wie sie das Bier zu trinken hätten: Zunächst soll die Spitze der Zunge das Bier erschmecken, dann die Seiten der Zunge den Ananas- oder Maracuja-Geschmack und im Abgang der hintere Zungenteil die Bitterkeit.
Doch der Geschmack alleine ist es natürlich nicht, der die Schotten so erfolgreich macht. Die selbsternannten Punk-Brauer betreiben ein ganz geschicktes Marketing, suchen sich Nischen und machen durch immer wieder spektakuläre Aktionen auf sich aufmerksam. Zuletzt mit den mit Bierflaschen ausgestopften Eichhörnchen. Ganz nach dem Motto: „Ausgefallen muss es schon sein, wenn man auf dem Biermarkt überhaupt noch etwas reißen will.“
Tatsache ist, dass die schottische Brauerei, die vor gerade mal drei Jahren von zwei 24-jährigen gegründet wurde und mit zwei Leuten, einem Bank-Kredit und ein paar Tanks in einem gemieteten Gebäude anfing, mittlerweile 50 Mitarbeiter beschäftigt und ihre Biere in 17 Länder exportiert. Über sich schreibt die Brauerei, dass Brew Dog Regeln bricht, Risiken auf sich nimmt, Trends erschüttert, Institutionen beunruhigt, aber zuerst und vor allem „great tasting beers“ macht.
Es würde nicht verwundern, wenn es die schottischen Punks mit ihrem Mix aus Geschmack und gutem Marketing zu einem It-Bier bringen. Doch ganz so einfach ist das nicht. Die Szene lässt sich nur bedingt steuern und sucht sich oft ihre eigenen Favoriten. Rothaus Tannenzäpfle, Augustiner und Co. haben bestimmt keine Beck’s-Flaschen zerschmettern müssen, um zum Kult-Bier zu werden. Und ob der Geschmack nach “totem Eichhörnchen” jedermanns Sache ist, sei auch dahin gestellt. Aber eins können deutsche Brauer sicherlich von den “Punk-Brauern” aus Schottland lernen, nämlich wie man von sich reden macht und ohne großes Marketingbudget in aller Munde ist (in wahrsten Sinne des Wortes).
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