AUGSBURG: Augusta Brauerei stellt nach 522 Jahren den Braubetrieb ein
Nach 522 Jahren und immerhin auch schon 4 Generationen im Familienbesitz beendet Peter Josef Engelsmann die traditionsreiche Geschichte der Bierproduktion der Augusta-Brauerei in Augsburg und stellt den Braubetrieb ein. Zukünftig soll das Bier in der Schlossbrauerei Unterbaar, einem Familienunternehmen im Besitz von Albrecht Freiherr Groß von Trockau, das in der Region angesiedelt ist, gebraut werden. Der Grund für die Produktionseinstellung, die drei Arbeitsplätze in der Produktion kostet, sind notwendige Investitionen im 40 Jahre alten Sudhaus, die rund 400.000 Euro kosten. Das Unternehmen sei jedoch solide und an den Besitzverhältnissen der Brauerei, der Rezeptur des Bieres und der Vertriebsstruktur ändere sich nichts, wie Engelsmann in einem Gespräch mit der Lokalpresse betonte. Auch ließ er offen, ob der Braubetrieb in Augsburg in Zukunft wieder einmal reaktiviert werde.
Die Geschichte der "Augusta-Brauerei" ist so wechselhaft wie die Brauereigeschichte der Reichsstadt Augsburg selbst. Das Anwesen "Litera H 140-142" am Lauterlech ist neben 1488 auch für das Jahr 1501 als Braustätte belegt. Aus diesem Jahr stammt ein Kaufbrief, den die Witwe des Kaufmanns Christoph Pfeiffelmann 1644 dem Hohen Rat der Stadt vorlegte. Darin heißt es, daß "ein Bierpräu Effinger eine Präu und Hofsach am Lauterlech unterhalb St. Jacob" verkauft hat. Nachdem der Kaufbrief anerkannt worden war, richtete Sara Pfeiffelmann in dem Anwesen die Bierschenke "Zum Osterlamm" ein. Damals war es durchaus üblich, daß eine Gastwirtschaft ihr eigenes Bier herstellte, Brauerei und Ausschank somit unmittelbar verbunden waren. Dennoch war es nicht gerade die beste Zeit für die Brauer: seit über 20 Jahren wütete der Dreißigjährige Krieg; Plünderungen und Verwüstungen zerstörten regelmäßig die Getreideernten und ließen auf lange Jahre hin die Felder brach liegen. Die Verarmung und Verelendung der ländlichen und städtischen Bevölkerung tat ihr Übriges.
Dennoch erholte sich die Reichsstadt Augsburg ab 1648 langsam von den verheerenden Folgen des Krieges. Ein wahrer Segen fiir die Bierbrauer war die radikale Säkularisation der Klöster und des Kirchenbesitzes zu Beginn des 19. Jahrhunderts. Zahlreiche Klosterbrauereien wurden aufgelöst, verstaatlicht oder fielen in den Besitz privater Ökonomen. Die Säkularisation befreite das aufstrebende Bürgertum von einem enormen Konkurrenzdruck seitens der gut funktionierenden kirchlichen "Wirtschaftsbetriebe.
1818 bestanden in Augsburg sage und schreibe 98 Braubetriebe und damit wieder fast so viele wie 1670. Die industrielle Revolution, die Aufhebung der Zunftbeschränkungen und die technischen Neuerungen des 19. Jahrhunderts bescherten auch dem Brauereigewerbe zunächst große Vorteile: sei es durch die Erfindung künstlicher Kühlmaschinen, die es nun erlaubten, untergäriges Bier auch ohne die umständliche Einlagerung großer Eisblökke zu produzieren, oder die Erkenntnisse eines Louis Pasteurs über die Funktion des Gärungsprozesses durch Mikroorganismen. Die industrielle Bierherstellung war nicht aufzuhalten.
Auch die Augsburger "Augusta-Brauerei" verschloß sich nicht der Notwendigkeit zur Modernisierung. Unter ihrem Besitzer Johann Michael Büchsenstein erfolgte 1851 ein Neubau der Brauerei. Die Anwendung von Maschinen zur Erhöhung der Produktion war auch dringend nötig, denn die Konkurrenz schlief keineswegs. Die Brauerei am Lauterlech profitierte schon damals von der ungewöhnlich guten Qualität des Brauwassers, das aus einem eigenen Brunnen auf dem Gelände gewonnen wurde (der Name "Lauterlech" hingegen bezog sich auf die Reinheit des abgeleiteten Lechwassers). Die Umstellung vom Faßbier zur Flaschenabfüllung -von den Traditionalisten mißtrauisch beäugt und spöttisch belächelt -erfolgte zwar nur zögerlich, war aber auf lange Sicht nicht mehr aufzuhalten. Die Vorstellung, "sein" Bier nicht nur im Wirtshaus, sondern auch bei sich zu Hause trinken zu können, gewann zunehmend an Reiz. Teuere und aufwendige Flaschenabfüllanlagen mit einer anfänglichen Leistung von 1000 Flaschen pro Stunde waren dazu erforderlich und steigerten den Investitionsbedarf der Brauereien in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts um ein Vielfaches. Die Folgen waren absehbar: zahlreiche Betriebe übernahmen sich, gingen bankrott und wurden eingestellt oder aufgekauft. Andere retteten sich durch Fusionen und Übernahmen, so auch die "Augusta-Brauerei". 1899 wurde sie von der "AG Kronenbräu" übernommen und als zweite Braustätte genutzt. Bis 1913 waren von den einst fast 100 Brauereien Augsburgs nur noch 33 übriggeblieben.
Der Erste Weltkrieg vermochte zwar noch einmal durch die "kriegsbedingte Produktion" den Bierausstoß der meisten Brauereien kurzfristig zu erhöhen (die "Augusta-Brauerei" lieferte zur Versorgung der bayerischen Feldtruppen Bierwaggons an die Front), doch der Zusammenbruch des Reiches und seine wirtschaftlichen Folgen ließen in den Jahren bis 1939 noch einmal 20 Braubetriebe aus Augsburg verschwinden. Kostete 1915 der Liter Bier noch 22 Pfennig, so waren es nach dem Krieg bereits 1,45 Mark und in der schlimmsten Zeit der Inflation bis zu 190 Milliarden Mark. Auch der "AG Kronenbräu" war ein eigenständiges Fortbestehen nicht vergönnt. 1921 fusionierte sie mit der "Hasenbräu AG", welche die nun zu ihrem Besitz gehörende "Augusta-Brauerei" kurze Zeit später verkaufte. Die "Hasenbräu AG" hatte nämlich ein Jahr zuvor bereits die ebenfalls am Lauterlech beheimatete "Lorenz Stötter Brauerei AG" (Gaststätte "Goldene Rose") erworben und daher für ein weiteres Brauhaus keine Verwendung mehr.
Nach ihrer Zerstörung 1944 war die Produktion der Augusta-Brauerei bis 1947 nahezu völlig unterbrochen. Doch unter der Leitung von Josef Engelsmann ging es ab den 50er Jahren wieder stetig bergauf. 1978 -inzwischen führte der Sohn Peter Engelsmann die Geschäfte -erreichte der Bierausstoß bereits das Vierfache der Vorkriegsjahre.
Heute gibt es in Augsburg nur noch vier große Brauereibetriebe: die Brauereien "Riegele", " Thorbräu", "Hasenbräu", und -nicht zuletzt -die "Augusta"-Brauerei".
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